Interkulturelle Kompetenz

Mit dem Fremdsprachenlernen wird der Erwerb interkultureller Kompetenz als eine der wichtigen Zielsetzungen von Schüleraustauschmaßnahmen gesehen.

Interkulturelle Kompetenz gehört heute zweifelsohne zu den wichtigsten Schlüsselqualifikationen in einer von Internationalisierung und multikultureller Gesellschaft geprägten Arbeitswelt. Ein Aufenthalt in einem anderen Land – wie beim Schüleraustausch – ist sicherlich ein wichtiger Schritt für den Erwerb interkultureller Kompetenz – der Aufenthalt allein ist aber kein Garant und kann schlimmstenfalls sogar zur Verstärkung von Stereotypen und Vorurteilen führen. Vor- und Nachbereitung sowie die Reflexion über das Erlebte während des Austausches, z.B. mit Hilfe der hier verfügbaren Materialien, können aber den Lernerfolg im Austausch unterstützen, sodass er vielleicht auch längerfristig zu positiven Auswirkungen führt.

Im Folgenden erfahren Sie mehr über interkulturelle Kompetenz. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass es für das Konzept der interkulturellen Kompetenz bis heute noch kein verbindliches und allgemeingültiges Modell gibt, was hauptsächlich mit den Schwierigkeiten der Definition des Kulturbegriffs zusammenhängt.

Wenn Sie Interesse daran haben, sich näher mit den Erkenntnissen und Überlegungen aus diesem komplexen und interdisziplinären Forschungsgebiet auseinanderzusetzen, so finden Sie in diesem Artikel von Stefanie Rathje eine gute Zusammenfassung der Unterschiede zwischen verschiedenen Modellen interkultureller Kompetenz und der offenen Fragen in Bezug auf deren Weiterentwicklung.

In dieser Publikation von Jürgen Bolten finden Sie weitere Texte und Übungen, die sich noch mal intensiv mit dem Begriff der Kultur sowie der interkulturellen Kompetenz auseinandersetzen und versuchen, sich einer Definition interkultureller Kompetenz zu nähern.

Für die konkrete Arbeit im Rahmen des Schüleraustausches ist es jedoch hilfreich, sich an einem Konzept der interkulturellen Kompetenz zu orientieren. Diesem Themenportal liegt das Konzept der „Lernspirale ,Interkulturelle Kompetenz‘“ zugrundeliegen, das von der Bertelsmann Stiftung auf Grundlage der Interkulturellen-Kompetenz-Modelle von Darla K. Deardorff entwickelt wurde. Sie sollten jedoch im Hinterkopf behalten, dass selbst von den Herausgebern dieses Modells angemerkt wird, dass sich dieses in ständiger Entwicklung befindet.

Die folgende Abbildung und Ausführungen beruhen auf dem Text „Interkulturelle Kompetenz: Schlüsselkompetenz des 21. Jahrhunderts? Thesenpapier der Bertelsmann-Stiftung auf Basis der Interkulturellen Kompetenz-Modelle von Dr. K. Carla Deardorff“.

Interkulturelle Kompetenz wird darin folgendermaßen definiert:

„Interkulturelle Kompetenz beschreibt die Kompetenz, auf Grundlage bestimmter Haltungen und Einstellungen sowie besonderer Haltungs- und Reflexionsfähigkeiten in interkulturellen Situationen effektiv und angemessen zu interagieren.“ (S. 5)

Für den Erwerb Interkultureller Kompetenz ergibt sich hieraus das Modell der „Lernspirale“.

Modell von Dr. K. Carla Deardorff

Das Modell umfasst vier Dimensionen:

  1. Motivationsebene (Haltungen und Einstellungen)
  2. Handlungskompetenz
  3. Interne Wirkung: Reflexionskompetenz
  4. Externe Wirkung: Konstruktive Interaktion
Alle Dimensionen beeinflussen sich wechselseitig und die Spirale wird immer wieder von Neuem durchlaufen. Der Erwerb interkultureller Kompetenz stellt somit einen ständig andauernden Lernprozess dar – man lernt nie aus und jede Begegnung mit anderen Kulturen ist Teil dieser Entwicklung.

Am Beispiel des Schüleraustauschs und dieses Themenportals kann dies konkret Folgendes bedeuten:

  • Motivationsebene: Die Teilnehmenden sind dem Austausch gegenüber positiv eingestellt und sind bereit, sich auf fremde und ungewohnte Situationen einzulassen und diese auszuhalten.
  • Handlungskompetenz: Die Handlungskompetenz für die Interaktionen während des Schüleraustausches kann in der Vorbereitungszeit (u.a. durch dieses Themenportal) vorbereitet werden.
  • Interne Wirkung: Die Teilnehmenden können durch das Hinterfragen der eigenen kulturellen Prägung und das Kennenlernen anderer kultureller Wertesysteme ihre Reflexionsfähigkeit schulen. Auch hierfür bieten die Materialien dieser Plattform und die aktive Reflexion über das Erlebte Möglichkeiten.
  • Konstruktive Interaktion: Im besten Falle führt die Vorbereitung des Aufenthaltes dazu, dass offensichtliche Regelverletzungen und „Fettnäpfchen“ vermieden werden können und somit die Interaktion zwischen den Austauschpartnerinnen ohne größere Missverständnisse, die auf kulturellen Unterschieden beruhen, ablaufen kann. Verlaufen der Austausch und die Kommunikation mit dem Partnerschüler / der Partnerschülerin und der Gastfamilie erfolgreich, wirkt sich dies auch positiv auf die Motivation aus, erneut das Wagnis interkultureller Kommunikation einzugehen – der Kreislauf interkulturellen Kompetenzerwerbs im Sinne der Lernspirale beginnt also wieder von vorne.

Wenn Sie Lust bekommen haben, sich weiter mit dieser Thematik und speziell dem Interkulturellen Lernen in der Jugendarbeit oder Schüleraustauschen auseinandersetzen, so bietet Ihnen die kommentierte Bibliographie im Downloadbereich vielfältige Anregungen.